1. Kafka Maus oder das Käseproblem

Eine junge Botenmaus, so heißt es, hat vom Mäusekaiser höchspersönlich eine Nachricht an dich zugeflüstert bekommen. Der Bote, eine kräftige und unermüdliche Maus, machte sich sogleich auf den Weg. Allerdings bekam sie großen Hunger. Und wie es der Zufall so wollte, stand sie mit einem Mal vor zwei großen Stücken Käse. Sie stand genau zwischen den beiden Stücken, dasjenige welches links neben ihr stand war genauso weit von ihr entfernt wie das Stück welches rechts neben ihr stand, sie war also genau in beider Mittelpunkt. Außerdem waren beide Käsestücke genau gleich groß und sahen vollständig identisch aus. Sie hatten die gleichen Löcher, die gleichen Dellen und an den beiden gab es eine Stelle, an welcher der Käse eine etwas dunklere Farbe aufwies.

Die Größe der beiden Käse war so beträchtlich, dass die Maus, nachdem sie einen verspeist hatte für Tage satt sein würde. Beide Käse zu fressen war unmöglich. Also überlegte sie, welches sie lieber essen sollte. Aber da beide Stücke gleich aussahen, wusste sie nicht nach welchen Kriterien sie entscheiden sollte, beide sahen unglaublich köstlich aus. Sie dachte lange über die Frage nach. Sie konnte auch nicht einfach das Stück essen zu dem der kürzere Weg führte, denn beide waren ja genau gleich weit von ihr entfernt. Sie dachte weiter darüber nach. Vielleicht würde ein Stück besser schmecken als das andere. Schließlich zählen beim Käse die inneren Werte. Aber um herauszufinden welches besser schmeckt, musste sie beide kosten und so stellte sich ihr die Frage, welches sie zuerst kosten solle. Wieder dachte sie lange darüber nach. Vielleicht gab es ja eine zweite Maus in der Nähe, die für sie den Geschmack prüfen könne. Sie rief laut, aber keine Maus erhörte sie. So musste sie weiter ein lange Zeit darüber nachdenken, welches Käsestück sie als erstes kosten sollte. Nun waren bereits einige Stunden vergangen, seitdem die Maus begonnen hatte über das Käseproblem nachzudenken, als sie plötzlich entschied einfach bei dem rechten Käse anzufangen. Just im gleichen Moment sprang jedoch eine Katze aus dem Gebüsch und verschlang die Maus.

Doch auch wenn die Maus sich eher für eines der beiden Käsestücke hätte entscheiden können, wäre es ihr nicht besser ergangen, denn beide Stücke Käse waren jeweils nur die Köder in zwei Mausefallen. Du aber sitzt an deinem Mäusebau und erträumst dir die Nachricht des Mäusekaisers.

 

*Eine Erklärung zu dieser Geschichte findet ihr in meiner Beantwortung der Montagsfrage vom 23.10.2017.

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3 Kommentare zu „1. Kafka Maus oder das Käseproblem

  1. Das ist ja herrlich. Ehrlich. Ich habe den Deutschunterricht immer geliebt, aber an Kafka erinnere ich mich gar nicht mehr. Vielleicht weil es nur Grundkurs war und nicht Leistungskurs? Ich hab damals noch Russisch-Englisch-Abi gemacht, da musste man dann nur noch Mathe und Geschichte prüfen lassen. Aber ich stimme Dir zu. Es sollte niemals richtige und falsche Interpretationen geben. Und der Vater-Sohn-Konflikt ist sowas von ausgelutscht, ich frage mich manchmal, ob hier das Leben die Geschichte schreibt oder umgedreht und wir quasi indoktriniert werden, mit unseren Eltern in Konflikt zu gehen. Aber selbst bei StarWars fällt denen ja nichts neues ein. Die kauen das Thema auch immer wieder durch *gähn*
    Die Kafka-Maus gehe ich nachher mal lesen. Das hört sich echt genial an. SChon lustig, wie eine einfache Frage soviel Informationsfluss rausbringt auf meinem WP-Reader 🙂
    beste Grüße
    Grit

    Gefällt 2 Personen

    1. привет!
      Ich hatte Deutsch tatsächlich auch nur im Grundkurs und Englisch-Mathe im Hauptkurs. Russisch wollten leider nur ich und noch zwei andere machen, darum ist da gar kein Kurs zustande gekommen.
      Ich muss noch sagen, dass ich die Kafka-Mäuse vor über 10 Jahren geschrieben habe und mich dabei nur darüber lustig machen wollte, dass die Figuren bei Kafka immer sehr hoffnungslos sind, sollte ihnen etwas gelingen, dann versagen sie wo anders und alles ist ganz schlimm, außerdm sind sie meist sehr fremdbestimmt. Meine Nacherzählungen/Parodien sind also keine hohe Kunst. Sei also gnädig mit mir. 😀
      Liebe Grüße
      Sven

      Gefällt 1 Person

  2. Huch, ist mein Kommentar hier gelandet? dabei wollte ich doch auf den Montagsfrage-Beitrag kommentieren. Naja, ich schiebs mal darauf, dass schon Freitag ist und mein Hirn sich vor mir ins Wochenende verabschiedet hat. xD

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